Ein Sommer voller Erkenntnisse und eine zauberhafte Begegnung – Teil 2

Der kleine Turmfalke saß ungefähr eine Stunde auf dem Geländer meiner Dachterrasse und ich durfte ihm währenddessen dabei zusehen, wie er schlief, sich die Federn reinigte und mich neugierig anschaute. Ich nannte ihn spontan „Hope“, denn ich befand mich inmitten einer hoffnungsvollen Aufbruchphase. Meine nicht enden wollenden Recherchen holten mich aus der „Krankheitsopferrolle“ heraus und gaben mir peu à peu zumindest die geistige Kontrolle über meinen Körper und mein Leben zurück.

Die Begegnung mit Hope war eine willkommene Abwechslung während meiner selbst gewählten Auszeit. Sie war so besonders wie überhaupt der ganze Sommer, in dem ich modernen (westlichen) Maßstäben zufolge absolut nichts erlebte, da ich ja so gut wie nie das Haus verließ. Stattdessen lebte ich in meinem wohlig eingerichteten Mikrokosmos und war ganz in meinem Element. Nur ich und ich. Keine Spur von Langeweile. Im Nachhinein betrachtet war es eine wichtige und wertvolle Zeit, nämlich eine der inneren Einkehr. Manche gehen für eine Auszeit ins Kloster. Ich hingegen blieb einfach zuhause und tat so, als würde es den Rest der Welt nicht geben.

Während ich mich also durch die verschiedensten Themen arbeitete, dabei gleichzeitig staunte und vor Wut schnaubte ob der Ahnungslosigkeit und Ignoranz vieler Menschen, hielt ich mich für besonders smart. Ein unsichtbarer Heiligenschein schien über meinem Haupt zu schweben. Es dauerte einige Zeit, genaugenommen bis Ende März dieses Jahres, bis ich realisierte, dass ich weder etwas bahnbrechend neues entdeckte noch dass sich andere wahnsinnig dafür interessierten. Mir wurde klar, dass meine Wahrheit nicht zwangsläufig die Wahrheit der anderen ist. Und mein Weg nicht der der anderen. Man nehme ein beliebiges Thema und es wird immer eine Seite geben, die Argumente dafür und welche dagegen findet. IMMER! Die Wahrheit scheint demnach viele Schattierungen zu haben. Heiligenschein adieu!

Nachdem ich also erkannte, dass es auch im gesundheitlichen Bereich je nach Wissensstand und persönlicher Glaubenssätze unterschiedliche Wahrheiten gibt, verflog meine Wut größtenteils. Auch der Vorwurf mir selbst gegenüber, dass ich es doch schließlich hätte besser wissen müssen, erwies sich als haltlos. Vor 20 Jahren gab es eben noch kein Internet und man war auf Informationen von Experten, aus Büchern, Zeitungen, Zeitschriften etc. angewiesen. Es war zu jener Zeit schlichtweg nicht möglich, sich das gleiche Wissen anzueignen wie heute. Und es gab bereits damals wie heute Ärzte mit einem begrenzten und welche mit einem erweiterten Wissensstand. Letztere sind meiner Meinung nach immer noch in der Minderheit, aber es werden glücklicherweise immer mehr. Unter kompetenten, konventionell ausgebildeten Ärzten verstehe ich übrigens diejenigen, die den Körper nicht nur als ein Sammelsurium von Organen betrachten, sondern sich vor allem bei chronischen Krankheiten zusätzlich der Bedeutung einer gesamtheitlichen Betrachtung bewusst sind (gute Beispiele hierfür: Dr. Simone Koch – https://drkochs.de, https://autoimmunhilfe.de; Prof. Dr. Spitz – https://spitzen-praevention.com/amm-wissen/sonne-und-vitamin-d/). Ich hatte also einfach nur das Pech, meistens an weniger kompetente Mediziner geraten zu sein. Obwohl ich später, als Internetzugang bereits Normalität war, durchaus gute Ansätze hinsichtlich einer Verbesserung meines gesundheitlichen Zustandes fand, so habe ich sie leider aus verschiedenen Gründen nie richtig verstanden und umgesetzt. Auch das habe ich mir verziehen.

An der Vergangenheit kann ich nichts mehr ändern, wohl aber an meiner Zukunft. Und das ist doch das wunderbare an der Gegenwart: diese unglaubliche Freiheit, sich informieren zu können. Es bleibt glücklicherweise jedem freigestellt, sich ein eigenes Bild zu machen, obgleich die Flut an Informationen einen durchaus erschlagen kann und man manchmal den Eindruck bekommt, vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sehen zu können. Ich jedenfalls habe mich durch den Informationsdschungel gekämpft und nach vielen Umwegen und Sackgassen meinen persönlichen Weg aus meiner Misere gefunden (mehr hierzu in meinem nächsten Beitrag). Ob ich damit richtig liege steht in den Sternen. Aber wer behauptet, Wahrheit müsse immer statisch sein?

Hope habe ich übrigens seit unserer kurzen Begegnung nie wieder gesehen. Aber er hinterließ mir etwas sehr wertvolles: den Zauber der Hoffnung ✨. Für mich ein Zeichen des Himmels 🙂

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  1. Liebe Martina,
    ich habe gerade deine Einträge gelesen und das eine oder andere Mal herzlich geschmunzelt. Du hast wirklich ein Händchen für schöne Formulierungen auch nachdenklicher Apekte!
    Ich persönlich halte es ja damit, dass jeder sein Leben als persönliche Nische gestaltet, und ich finde es schön, dass du Teile deiner Nische teilst.
    Ich freue mich auf die nächsten Einträge!
    Viele Grüße
    Carola

    1. Liebe Caro, freut mich sehr, dass ich dich zum Schmunzeln bringen konnte ;-). Und das mit der Nische trifft es sehr gut! Sonnige Grüße

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