Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät…

Ich wünschte, ich könnte behaupten, es hätte in meinem Fall keine Warnzeichen gegeben, aber es gab sie. Mein Körper versuchte auf aufdringliche Weise, mit mir zu kommunizieren, aber ich bürstete ihn grob ab. Tja, wer nicht hören will, muss fühlen. Also begann ich zu fühlen. Und wie.

Bis Mitte zwanzig war ich eigentlich ein gesunder Mensch. Als ich aufgrund von wiederkehrenden Infektionen immer wieder mit Antibiotika behandelt wurde, geriet nach mehreren Jahren mein bis dahin (meiner Meinung nach) gut funktionierendes körpereigenes Abwehrsystem ins Trudeln. Antibiotika zerstören leider nicht nur die bösen, sondern auch die guten und äußerst wichtigen Darmbakterien. Wie die Wissenschaft zwischenzeitlich herausgefunden hat, kann eine entsprechende mangelhafte Darmflora Autoimmunerkrankungen auslösen, (Mehr hierzu unter: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/Wie-die-Darmflora-das-Gehirn-krank-macht,darm148.html). Hin und wieder steht auch der in den Industrieländern weit verbreitete Vitamin D Mangel als Auslöser im Fokus der Wissenschaft. 

Was in meinem Fall schlussendlich den Ball der fehlgeleiteten Immunabwehr ins Rollen brachte, ist schwer zu sagen. Bei vielen MS Erkrankten beginnt die Krankheit mit einer Sehnerventzündung oder anderweitigen neurologischen Ausfallerscheinungen. Ich hingegen hatte bis auf Gefühlsstörungen in den Händen keinerlei Symptome. Zu wenig, um mich krank zu fühlen. Selbst die Ärzte waren sich nicht sicher, ob es sich in meinem Fall tatsächlich um MS handelte. Nichtsdestotrotz verstand ich es als Warnzeichen und recherchierte. Ich stieß auf Weihrauchtabletten aus Indien, welche entzündungshemmend wirken sollen. Mein Zustand stabilisierte sich. Als ich nach Australien ging, hatte ich keinen Zugang mehr zu den besagten Tabletten. Das Warnzeichen geriet in Vergessenheit.

Ich hatte insgesamt 4 offizielle Schübe, 3 davon aufgrund enormen emotionalen Stresses. Eigentlich nicht viel, wenn ich mich mit anderen Betroffenen vergleiche. Mein großes Pech ist, dass sich meine Entzündungsherde größtenteils im Bereich der Halswirbelsäule und somit des Rückenmarks befinden. Das Rückenmark ist ein extrem schmaler Strang, in dem wichtige Nervenbahnen auf engstem Raum zusammengedrängt sind. Sind diese geschädigt, dann ist das wie auf der Autobahn. Nur noch eine Spur statt zwei führt zu stockendem Verkehr, bei einem Unfall geht nichts mehr. Dies erklärt u.a. die „lahmen“ Beine. Mit der Schulmedizin machte ich vor fast 10 Jahren meine erste Erfahrungen. Leider mit eher bescheidenem Erfolg. Hierüber als auch über alternative Behandlungsmethoden werde ich gesondert schreiben.

Nicht immer hat man das Glück, dass sich Krankheiten ankündigen. Wenn man also schon Signale des Körpers erhält, warum fällt es uns dann so verdammt schwer, innezuhalten und sich zu fragen, ob es sich wirklich lohnt, den bisherigen Lebensstil beizubehalten? Wir kommunizieren den ganzen Tag gefühlt mit der ganzen Welt. An Gesprächsstoff fehlt es uns nie. Aber wir sind nicht imstande, mit unserem Körper zu kommunizieren. Es scheint viel eiserner Wille erforderlich zu sein, das Hamsterrad zu verlassen und bei vielen braucht es den Totalausfall, damit sie wirklich etwas ändern – wenn es dann nicht schon zu spät ist. Und selbst wenn man sein Leben ändert, ist das noch lange keine Garantie dafür, dass alles gut geht. Ein Restrisiko bleibt. Wenn man sich damit auseinandergesetzt hat, wird es einem aber – sollte der Körper irgendwann in Streik treten –  zumindest nicht gleich den Boden unter den Füßen wegziehen. Ist ja schließlich nicht so, dass man nicht gewarnt wurde.

Traurig, dass es überhaupt so weit kommen muss. Wir verhalten uns, als hätten wir das ewige, gesunde Leben gepachtet. Ist diese Ignoranz – man könnte es schon fast als Naivität bezeichnen – der Preis unserer Sozialisierung? Eine Leistungsgesellschaft beruht auf Fleiß und Disziplin. Man will es schließlich zu etwas bringen. Time is money. Da bleibt wenig Zeit zum entspannen, mit sich selbst beschäftigen, meditieren etc. Vor allem nicht in Zeiten der konstanten Berieselung durch Internet, Social Media, usw. Wie lange es wohl dauern wird, bis wir erkennen, dass wir uns Gesundheit nur bedingt erkaufen können? Es erfordert erheblich mehr Kraft, ein Ungleichgewicht zu beheben als darauf zu achten, es gar nicht erst soweit kommen zu lassen. Eigentlich. Aber das weiß man erst, wenn man zum Club der Fühlenden gehört.

Vielleicht wäre in meinem Fall alles anders gekommen, wenn … oder wenn … Tja, wenn da dieses Wörtchen ‚wenn‘ nicht wär. Oder hätte, hätte, Fahrradkette. Fakt ist aber: Hätte ich das Wissen, über das ich heute verfüge, in jungen Jahren gehabt, würde ich jetzt nicht hier am Rechner sitzen und diese Zeilen schreiben. Es sei denn, mein Schicksal war bereits damals in Stein gemeißelt. Das wäre dann eine Fahrradkette ohne hätte hätte, oder :-)?

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  1. Ein Mega Beitrag für jeden gesunden Menschen, der bereit ist, mit sich selbst zu kommunizieren und Warnhinweise zu beachten.
    Freu mich auf den nächsten Beitrag von dir und Kommentare von Followers.

  2. Hast du dich mal schlau gemacht darüber, welche Therapien die Israelis entwickelt haben. Z.B Bäder und bewegungsübungen im sehr warmen Salzwasser

    1. Das sagt mir nichts, aber hey…ich wollte schon immer mal nach Israel! Werde also gleich mal recherchieren. Danke für den Tipp 🙂

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