Manchmal kommt alles anders als gedacht…

…aber dass es so kommen würde? Whaaat?? No way!?

Vor gut zehn Jahren nahm das Drama also seinen Lauf. Ich lebte zu der Zeit in Australien an der wunderschönen Sunshine Coast. Ich habe die Landschaft und das Klima der Ostküste geliebt. Winterdepression, Kälte, Weihnachten – alles kein Thema. Ich war im siebten Himmel! Unglücklicherweise war ich ebenso gefangen in einem Job, der sich für mich als Albtraum herausstellen sollte. Stress durchdrang meinen Alltag bis in den letzten Winkel. Ich erinnere mich noch genau an den Augenblick als ich nach einigen hundert Metern bemerkte, dass sich meine Beine wie Gummi anfühlten. Seit diesem Tag ist „normales“ Gehen Geschichte. Das Selbstverständliche wurde zur Ausnahme. Ende 2012 wurde schließlich das freie Gehen ohne Gehhilfe immer schwieriger. Heute kann ich mich nur noch mit 2 Unterarmgehhilfen ergo Krücken fortbewegen. Für längere Strecken benötige ich einen Rollstuhl.

Ich weiß, dass ich das typische Bild in den Köpfen der meisten Menschen bestätige: MS = Rollstuhl. Diejenigen, die sich mit der Krankheit etwas auskennen, wissen, dass dies nicht stimmt. Ich kenne genügend MS Kranke, denen es relativ gut geht und häufig fast gar nicht oder nur wenig eingeschränkt sind. Ich hatte einfach nur Pech. Seit April 2015 bin ich berentet. Ein neuer Lebensabschnitt begann. Bin ich deshalb unglücklicher als früher? Hm, mein neues Leben ist anders, aber nicht unbedingt schlechter. Der Vogel mit den gestutzten Flügeln kann immer noch denken, sehen, riechen, hören, schmecken, spüren und vor allem lachen. Und das ist schon einmal eine ganze Menge, um die schönen Dinge des Lebens in sich aufzusaugen und zu genießen.

„Nie aufgeben“ war der Spruch einer Rehabilitationsklinik, die ich vor einigen Jahren besuchte. An schlechten Tagen konnte und kann ich es einfach nicht mehr hören. Das Glas, das immer halb voll ist und nie leer wird. Und dennoch steckt viel Wahrheit in diesem Spruch. Ich hatte eine tolle Kindheit, durfte mich frei entfalten, meinem Herzen folgen, die Welt bereisen und viele schöne Dinge erleben. Ein Luxus für viele Menschen auf diesem Planeten. Es gibt genügend Gründe, dankbar zu sein.

Nein, es ist nicht alles schwarz oder weiß. Dazwischen gibt es auch wahnsinnig viele Grautöne…ungefähr 50 ;-).

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  1. Liebe Martina,
    Ich liebe Grau und Grau und Grau!
    Im Grau sind alle Farben enthalten, deshalb ist diese Farbe so flexibel und anschmiegsam.
    Eine Welt ohne Grau wäre hart. Nicht vorstellbar.
    Herzlichst,
    Sabine aus Nürtingen

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